Samstag, 27. Juni 2009

tiefensee - oweh-oweh!

Ja, ich gebe es zu: Wolle war lange Zeit, vor allem damals als OB im schönen Leipzig, ein Hoffnungsträger für mich. Für viele wurde das Gegenteil schon im Film "Bahn unterm Hammer" offenbar, wo bezeichnenderweise ein stillgelegter Bahnhof mit dem gleichen Namen wie der des dafür mit zuständigen Verkehrsministers auftauchte.

Dann das ganze Drama mit Mehdorn und nun die nächste Aktion, bei der ich nur noch mitleidig bis fassungslos mit dem Kopf schütteln kann - nun lässt er auch noch nicht genehme Studien verschwinden, diesmal als Aufbau Ost-Minister.

Aber eines muss man Tiefensee lassen: Es gab schon dermaßen viele Gründe für einen gepflegten Rücktritt oder Rausschmiss - und er hat sich gehalten (im Gegensatz zu Freund Mehdorn). Wahrscheinlich findet sich einfach keiner, der den Job machen will (und alle Kriterien erfüllt: Ossi, SPD, skrupellos etc. - siehe die Einsetzung von zu Guttenberg).

umverteilung von oben nach unten?

Ok, es ist Wahlkampf und es ist die Studie eines "arbeitgebernahen" Instituts. Trotzdem ist der Schluss, der gezogen wird (bzw. schon vor einigen Tagen gezogen wurde), mehr als dummdreist: "Ökonomen diagnostizieren Umverteilung von oben nach unten" schreibt der SPIEGEL über die Untersuchung des deutschen Sozialstaats.

Woran das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) offenbar keinen Gedanken verschwendet hat, ist eine viel größere Form der Umverteilung. Der Saldo sieht damit ganz anders aus: Es wird kräftig von unten nach oben umverteilt.

yes, we can...

... den gleich Bockmist verzapfen wie die Deutschen!

Jetzt (ok, es ist schon ein paar Tage her...) haben auch die Amis eine Abwrackprämie, offenbar vom großen "Erfolg" der deutschen "Umweltprämie" inspiriert. Wer in den USA seine alte Kiste verschrottet, die mehr als 13 Liter pro 100 Kilometer verbraucht und sich eine neue kauft, die weniger als 10,5 Liter benötigt, bekommt eine fette Steuergutschrift.

Wow, das nenne ich mal visionär!

Es bleibt die leise Hoffnung, dass Obama damit nur kurzfristig ein paar Kongressabgeordnete ruhigstellen will und seine langfristigen Pläne anders aussehen. Eine interessante Vorlage, vor allem für die Auto-/Transportbranche, hat ihm Michael Moore geliefert.

Dienstag, 26. Mai 2009

frei-sprit für alle!

Erst die Abwrackprämie (offiziell, aber völlig sinnfrei: "Umweltprämie"), jetzt das: weniger Steuern auf Agrardiesel. Damit versucht die große Koalition die Milchbauern bis nach der Bundestagswahl ruhig zu stellen. Die bekommen kaum Geld für ihre Milch, nun aber den Sprit noch billiger. Davon profitieren vor allem große Agrarfabriken, während kleinere Bauernhöfe (womöglich sogar noch bio - igitt!) wenig von dem nächsten Staatsgeschenk haben.

Was faselt da eigentlich der alte und neue Bundespräsident vom einem radikalen Umdenken in der Umweltpolitik? Geht es auch ihm nur um Stimmenfang? Oder nimmt den Mann selbst in der Union keiner mehr ernst? Der Wandel vom Saulus (2000-2004 Chef des neoliberalen Neuzeit-Kolonialisierers IWF) zum Paulus (2004-2013 oberster Ruckredner der Nation) scheint zwar für die Wiederwahl in neoliberalen Krisenzeiten zu reichen, mehr aber auch nicht.

Jaja, ich hab's fast schon wieder vergessen: Es ist Wahlkampf. Aber ob es danach wirklich besser wird? Das Getöse ist auch noch steigerungsfähig. Wie wäre es zum Beispiel mit freiem Benzin und Diesel für alle? Am besten zum Ferienbeginn. Das würde pro Tag auch nur schlappe 110 Millionen Euro kosten (laut Durchschnittswerten)!

Mittwoch, 20. Mai 2009

alles müssen raus - traurige wahrheit oder genialer pr-schachzug?

"15 Prozent Rabatt"

"Alle müssen raus!"

"Große Rabatt-Aktion"

"Angebot gilt nur vom 27.04.2009 bis 30.06.2009"

So werden in Krisenzeiten nicht etwa Elektronikprodukte, Möbel oder Tiernahrung angepriesen, sondern Zeitarbeiter vermittelt ("alle Hilfs- und Fachkräfte")!

Dienstag, 19. Mai 2009

rauschen im blätterwald

Nach den beiden Blicken in etwas ältere SPIEGEL-Ausgaben/-Artikel, gibt es auch noch erfreulich frisches: Das Handelsblatt berichtet nun ebenfalls über etwas, das nach Ansicht vieler Ökonomen eigentlich gar nicht möglich ist. Entsprechend fallen die reflexhaften Einschätzungen einiger Professoren-Kollegen zu den Ansichten der prominenten Nestbeschmutzer aus.

Fast schon erstaunlich, dass es das Undenkbare - sogar inklusive Erwähnung des oft geschmähten Entdeckers - nun auch in die Mainstream-Medien schafft! Schließlich erklären viele "Experten" die Krise schon fast wieder für beendet (die berühmte "Bodenbildung"). Naja, manchmal dauert es eben ein bisschen länger dem Verstehen. Gell, Frau Merkel?

Es besteht also durchaus Hoffnung, das man sich nicht einfach so durch die Krise hindurchwurschtelt, sondern auch Schlüsse zieht. Aber erstmal ist Wahlkampf (siehe auch Frau Merkel).

trau keiner statistik...

Beispiele gibt es viele, Bildungsangebote kaum. Nur wenige Journalistenschulen-/studiengänge bieten Seminare dazu, selten als Pflichtveranstaltung. Dabei wäre es nicht nur für Medienvertreter, aber ganz besonders für sie, wichtig, Statistiken richtig einschätzen zu können.

Der SPIEGEL bezieht sich bei der Problembeschreibung auf medizinische Studien, dringend notwendig ist sie aber auch bei Statistiken von "Finanzexperten" und bei Prognosen aller Art: der Sonntagsfrage, den Mediadaten (Auflage, Fernsehquoten & Co.) und so weiter. Oft genug werden minimale Veränderungen, die weit unterhalb der Irrtumswahrscheinlichkeit liegen, gefeiert oder beweint - und als Grundlage für folgenschwere Entscheidungen bemüht.

Zu oft.