Donnerstag, 16. April 2009

bahncard statt neuwagen

Wo wir schon bei Ideen für den Wahlkampf sind - wie wäre es damit? Statt mit der "Umwelt-" :-) oder Abwrackprämie noch mehr Geld in die große Krise der deutschen Autoindustrie (Ende 2009/Anfang 2010 bis zum Sanktnimmerleinstag) zu investieren, werden Bahncards 50 spendiert!

Gut, Politik bedeutet fast immer faule Kompromisse, also machen wir auch einen: fifty-fifty. 2,5 Mrd. Euro für das Verschrotten von nach wie vor fahrtüchtigen Autos (fast so genial wie ein Krieg zur Steigerung des Wirtschaftswachstums!), 2,5 Milliarden für den Großeinkauf von Bahncards, was gleichzeitig den Charme hat, dass man damit ein Staatsunternehmen (ganz ohne Aktionärsenteignung!) subventioniert.

Gehen wir mal davon aus, dass es einen großzügigen Großkundenrabatt gibt: 110 statt 225 Euro pro Stück; macht rund 22 Millionen kostenlose Bahncards 50 (2. Klasse)! Mit den übrigen achtzig Millionen Euro werden die Online-Bestellung und der Versand bezahlt.

(Grafik mit Foto von Bigbug21 - CC-BY-SA-3.0)

gute (wahlkampf-)zeiten, schlechte (wahlkampf-)zeiten

Der Wahlkampf hat noch gar nicht richtig begonnen, schon sorgt er für seltsamste Blüten. Mal total gagga wie bei der Abwrackprämie, mal ziemlich unkonkret und als plumpes Versprechen daher kommend wie mit der Steuergutschrift ohne Steuererklärung und mal überraschend positiv und (hoffentlich auch juristisch) nachhaltig wie das Verbot von Genmais.

Nach dem Desaster bei den jüngsten Wahlen hat die CSU nun wieder etwas für die Stammwähler im Freistaat getan - und damit zur Abwechslung auch mal für große Teile der Bundesrepublik: mit dem Verbot von MON 810. Es ist inzwischen leider fast schon erstaunlich, dass sich die Große Koalition gegen einen großen Konzern wie Monsanto stellt. Gründe dafür gibt es jedoch allerhand.

"'Skrupellos' und 'rücksichtslos' nennt Greenpeace-Experte Hissting das Vorgehen des Konzerns. Bestechung, das Verdrehen von Fakten, das Zurückhalten von Informationen und das Diskreditieren von Wissenschaftlern, die unangenehme Fragen stellen - all das werfen Kritiker dem Konzern vor. Wenig Gutes trägt auch die Konzerngeschichte bei: Monsanto war einst wesentlicher Produzent des dioxinhaltigen Kampfstoffes Agent Orange, der im Vietnam-Krieg eingesetzt wurde."

Das berichtet der SPIEGEL und Belege dafür und andere Maßnahmen der ach so grünen und vertrauenswürdigen Gentechniker liefert eine sehenswerte und ausgezeichnete Dokumentation:

Montag, 6. April 2009

damals wie heute

Geschichte wiederholt sich mal wieder. Im Detail gibt es ohne Zweifel einige Unterschiede, aber auch erstaunlich viele Übereinstimmungen und vor allem vieles, über das man einfach nur den Kopf schütteln kann.

Erfreulicherweise ist das sowohl erzählerisch...



... als auch dokumentarisch aufgearbeitet:



Allerdings scheinen beide Verarbeitungsmethoden die Halbwertszeit im Hirn nicht besonders zu erhöhen. Gut, dass vieles inzwischen digital archiviert und entsprechend schnell wieder gefunden ist.

Donnerstag, 26. März 2009

wahlkampf durch den auspuff

Selten finde ich Aussagen von FDP-Politikern, die ich wohlwollend zitiere. Heute ist so ein Tag. Rainer Brüderle, FDP-Vizechef, hat es geschafft mit seiner knackigen Analyse der so gut wie verlängerten Abwrackprämie*:

"Die Prämie ist Wahlkampf durch den Auspuff."

Bis Ende des Jahres kann nun ein jeder 2500 Euro Zuschuss beim Kauf eines Neuwagens bekommen (Fahrräder bleiben offenbar weiter ausgenommen), wenn er seine alte Kiste verschrottet. Ende des Jahres? Da war doch was... Richtig, die Bundestagswahl! Bis dahin sollen bitte schön fiese Massenentlassungen in der Autobranche ausbleiben - koste es was es wolle.

Und das wird nicht wenig sein: Erst die Verlängerung der Kurzarbeit, nun die verlängerte Prämie. Während man bei der Kurzarbeit noch ein wenig Sinngehalt entdecken kann, ist die Abwrackprämie nur eine extrem teure lebensverlängernde Maßnahme. Denn Anfang 2010 wird sich dann wirklich fast keiner in Deutschland mehr ein Auto kaufen wollen. Aber dann sind es ja auch wieder fast vier Jahre bis zur nächsten Wahl.

* Offiziell wird sie ja "Umweltprämie" genannt - weiß jemand warum? Es gibt nämlich keinen einzigen Anreiz, sich ein umweltfreundliches Auto zu kaufen; nur die simple Vermutung übereifriger Politiker, dass ein mindestens neun Jahre altes Auto auf ein handliches Quadrat zusammen gepresst besser für die Umwelt ist als ein neu produziertes, gern auch ein SUV im Stadtverkehr.

Mittwoch, 25. März 2009

prominente zinszahler: die schaefflers

Einen der deutschen großen Zinszahler kennt jeder: den Staat. Allein der Bund muss jährlich rund 40 Milliarden Euro Zinsen zahlen - mit steigender Tendenz und ohne, dass es die meisten überhaupt wissen, denn im Bundeshaushalt nennt sich der Posten "Schuldendienst" (nur sehr selten wie hier bei "Etats" werden die Dinge beim Namen genannt). Bei diesem Posten ist von Kürzungen (oder einer Ursachenanalyse) erstaunlicherweise nie die Rede.

Deutlich mehr Aufmerksamkeit hat in den vergangenen Wochen ein anderes "Zinsopfer" erfahren: der Schaeffler-Konzern. Nach der Conti-Übernahme, wie üblich durch Milliarden-Kredite finanziert, muss das "Familienunternehmen" jährlich 840 Millionen Euro an Zinsen zahlen. Über den (Un-)Sinn der Übernahme lässt sich streiten, über die mangelnde Aufmerksamkeit für die Zinsproblematik dagegen nicht.

Täglich (!) sind in Deutschland rund eine Milliarde Euro an Zinsen zu zahlen; vom Staat (der dafür weitere Steuern und Abgaben einnehmen muss), von Unternehmen (die sie in die Preise ihrer Produkte einkalkulieren) und Privatleuten. Nur zehn Prozent der Bevölkerung profitieren vom Zins. Bei zehn Prozent ist der Saldo von Zinseinnahmen und -ausgaben (v. a. über Miete und den täglichen Konsum) ausgeglichen. Die restlichen achtzig Prozent zahlen Tag für Tag drauf - in die Kassen der wenigen Profiteure.

Samstag, 21. März 2009

oscar für einen drehort von let's make money

Nominiert war der Film von Erwin Wagenhofer leider nicht. Gewonnen hat er trotzdem. Die kleine Randnotiz und der große Oscargewinner "Slumdog Millionär" dürften den Drehort Dharavi und seine Bewohner noch bekannter machen - als Beispiele für die globalen Folgen des krisenanfälligen Finanzsystems:

"'Slumdog Millionär' zeigt etwas anderes, nämlich den Überlebenskampf im größten Elendsviertel der Welt, in Dharavi. Wer 'Let’s Make Money' gesehen hat, die Dokumentation über Risikokapitalisten, kennt Dharavi bereits; ein Hedge-Fundamentalist spinnt dort Pläne, wie man mitten in Bombay einen teuren Immobilienkomplex hochziehen könnte; die Stadt hat das Gelände zum Kaufpreis von 2,3 Milliarden Dollar ausgeschrieben."

Perspektiven für Elendsviertel oder auch komplette, völlig verarmte Länder würde ein nachhaltiges Finanzsystem bieten. Ein schönes Beispiel dafür beschreibt das für den Deutschen Science Fiction Preis 2009 nominierte "Tahiti-Projekt".

Freitag, 6. März 2009

dafür zahl ich nicht!



Ich zahl ja trotzdem, aber "dafür zahl ich nicht...". Hinter dem Link verbirgt sich eine gelungene neue Kampagne mit einem nicht ganz so lustigen Spot - aber trotzdem gut und wichtig, vor allem wenn auf diese Art und Weise mit kritischen Mitarbeitern umgegangen wird!